Die Kalenderkerze. Oder: Wie bei uns der Dezember anfängt

Frisch angezündete Kalenderkerze auf einem Leinenläufer am Fenster, daneben ein Tannenzweig

Heute Morgen lag Schnee. Nicht viel, aber genug, dass die Wiese hinterm Haus weiß war und der Wind die Flocken quer über den Hof getrieben hat. Ich habe den Ofen angemacht, bevor die Kinder wach waren. Das Holz hat geknackt, das Fenster war beschlagen, und ich stand mit der Kaffeetasse davor und habe einfach nur geguckt.

Dann habe ich die Kalenderkerze aus dem Schrank geholt.

Sie steht jetzt auf dem Frühstückstisch, mitten zwischen Brotkorb und Marmelade. Eine weiße Kerze mit Zahlen von 1 bis 24. Ich zünde sie an, und es ist jedes Jahr dasselbe: Sobald die Flamme steht, ist es Dezember. Nicht auf dem Kalender. Im Bauch.

Wenn du die Kalenderkerze noch nicht kennst – sie ist eigentlich das Einfachste, was der Advent zu bieten hat. Jeden Tag brennt sie bis zur nächsten Zahl. Am Heiligabend ist sie aufgebraucht. Kein Türchen, keine Schokolade, kein Plastik. Nur Licht, das jeden Tag ein Stück kürzer wird.

Wann zündest du sie an?

Am 1. Dezember. Ich weiß, die meisten denken erst mal an den ersten Advent, aber der liegt in manchen Jahren schon im November – und dann gehen dir am Ende die Zahlen aus. Die Kalenderkerze hält sich an den Kalender, nicht ans Kirchenjahr.

Bei uns gehört sie zum Frühstück. Das haben wir uns bei den Dänen abgeguckt, wo die Kerze morgens angezündet wird, während der Tisch gedeckt ist, und brennt, bis die Markierung des Tages erreicht ist. Dann wird sie ausgepustet, und der Tag kann losgehen.

Du kannst das natürlich auch abends machen, mit Tee und Decke, wenn es draußen schon dunkel ist. Die Kerze ist da nicht streng. Ich mag nur den Moment am Morgen, wenn es draußen noch grau ist und drinnen schon ein kleines Licht brennt.

Wie lange lässt du sie brennen?

Bis zur nächsten Zahl. Bei unseren Kerzen von Det Gamle Apotek sind das rund zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag – die Kerze im Glas hat 60 Stunden Brenndauer, die klassische 25-Zentimeter-Kerze 56 Stunden, geteilt durch 24 Tage. Ein Frühstück mit Zeitung reicht meistens nicht ganz, ein Sonntagsfrühstück schon.

Zwei Dinge habe ich in den letzten Jahren gelernt. Den Docht vor dem Anzünden auf etwa einen Zentimeter kürzen, sonst brennt die Kerze schneller runter und rußt. Und sie nicht in den Luftzug stellen – bei uns steht das Küchenfenster gern auf Kipp, und das hat mich einmal fast eine ganze Zahl gekostet.

Und wenn du einen Tag vergisst? Passiert. Dann lässt du sie am nächsten Tag einfach bis zur aktuellen Zahl brennen. Niemand kontrolliert das. Die Kerze schon gar nicht.

Woher kommt das eigentlich?

Aus Dänemark, und die Geschichte ist jünger, als man denkt. In den 1920er- und 1930er-Jahren haben Familien 24 Kerben in eine ganz normale Stearinkerze geritzt und sie eingefärbt – ein Adventskalender für Leute, die keinen kaufen wollten oder konnten. 1942, mitten in der Besatzungszeit, hat die dänische Kerzenfabrik Asp-Holmblad die erste gedruckte Kalenderkerze herausgebracht. Nach dem Krieg wurde sie in dänischen Haushalten zum festen Bestandteil des Dezembers. Dort heißt sie bis heute kalenderlys, Kalenderlicht.

Ich finde, man merkt ihr das an. Sie kommt aus einer Zeit, in der man wenig hatte und trotzdem etwas Schönes wollte. Vielleicht ist sie deshalb so ruhig.

Nach Deutschland ist sie über die Ferienhäuser gekommen. Wer einmal im Dezember an der dänischen Nordsee war, hat sie dort auf dem Tisch stehen sehen und eine mit nach Hause genommen. So war es bei uns auch.

Im Glas oder klassisch?

Beides ist dieselbe Idee, nur in zwei Formen – und ich habe ehrlich gesagt beide.

Die Kalenderkerze im Glas steht von selbst, tropft nicht und passt auf den Frühstückstisch, ohne dass du einen Halter brauchst. Das Glas bleibt danach – bei mir als Teelichtglas auf der Fensterbank. [→ Kalenderkerze im Glas, Weiß]

Die klassische Kalenderkerze ist 25 Zentimeter hoch und braucht einen Halter, der sie sicher hält. Das ist die Form aus den dänischen Wohnzimmern, oft auf einem kleinen Kranz aus Tannengrün und Zapfen, den man selbst bindet. Meine steht auf dem [→ Kerzenhalter aus unserer Werkstatt] aus Beton – schwer genug, dass er bleibt, wo ich ihn hinstelle. Wenn es zur Kerze ein bisschen mehr Dezember sein darf, gibt es noch das [→ Lyda-Set von Bloomingville] mit den beiden Wichteln. [→ Kalenderkerze klassisch, Weiß] · [→ Kalenderkerze Santa Petit]

Was ich dir noch mitgeben möchte

Kalenderkerzen sind Kerzen. Nie unbeaufsichtigt brennen lassen, nicht in Reichweite von Kindern und Katzen, und nicht bis zum Rand herunterbrennen – die letzte Zahl ist die Grenze.

Bei uns im Shop findest du sie in Weiß. Nicht, weil Rot falsch wäre, sondern weil Weiß auf jedem Tisch geht und zu allem passt, was du dir für den Dezember sonst noch zusammenstellst.

Und noch etwas: Fast alles, was wir bei Fjella aussuchen, soll bleiben. Die Kalenderkerze nicht. Sie ist am 24. weg, und genau das ist ihre Aufgabe. Ich finde, das darf sie.

Draußen schneit es immer noch. Die Kerze steht bei der Eins. Ich gehe jetzt frühstücken.

Karina