Wenn es nach Stephan ginge, wäre am Neujahrstag alles weg. Silvester darf die Weihnachtsdeko noch erleben, sagt er, und am Tag danach kann sie aus dem Fenster fliegen. Er kann sie dann nicht mehr sehen.
Ich sehe das anders. Bei mir wird am 6. Januar abgeschmückt, an Dreikönig, und keinen Tag früher. Ich hänge total an Weihnachten und das war schon immer so. Stephan freut sich im Sommer über jeden Tag, den der Sommer länger bleibt. Ich freue mich im Sommer schon auf Weihnachten.
Am 6. Januar ist aber auch bei mir Schluss. Dann hole ich die Kisten aus dem Keller und schmücke ab. Nur wandert nicht alles zurück in die Kisten. Manches darf bleiben.
Wann endet die Weihnachtszeit?
Darauf gibt es mehr als eine Antwort. Für die einen ist an Dreikönig Schluss, am 6. Januar. So halten wir es auch. Andere lassen alles bis Lichtmess am 2. Februar stehen.
In Dänemark gibt es für den Abschied sogar eine eigene Kerze, das Helligtrekongerslys. Sie hat drei Arme und wird am Abend des 5. Januar angezündet. Ist sie heruntergebrannt, ist Weihnachten vorbei. Wir haben das selbst nie gemacht. Der Gedanke gefällt mir trotzdem, weil er zur Kalenderkerze passt: Die eine Kerze zählt auf Weihnachten zu, die andere verabschiedet es.
Aus Dänemark haben wir einiges übernommen. Jedes Jahr gibt es bei uns Milchreis, und auf einem der Teller liegt eine Mandel. Wer sie findet, hat besonderes Glück.
Für die Zeit nach Weihnachten haben wir nur einen Brauch übernommen. Wir lassen manches länger stehen, so wie die Skandinavier.
Unsere eigene kleine Tradition liegt mitten in der Weihnachtszeit. Ein-, zweimal machen wir draußen ein offenes Feuer und rösten S'mores. Manchmal wird dabei auch gleich gegrillt.
Wie lange darf die Weihnachtsdeko stehen bleiben?
Bei uns bis zum 6. Januar. Stephan wäre am 1. Januar fertig, ich bin es nicht. Also bleibt alles bis Dreikönig stehen.
Der Baum hat seinen eigenen Rhythmus. Einer unserer besten Freunde betreibt nebenher eine kleine Weihnachtsbaumplantage. Anfang Dezember treffen wir uns dort mit vielen anderen, es gibt Punsch, und jeder sucht sich seinen Baum aus. Kurz vor Heiligabend holen wir ihn ab, frisch geschlagen. Das ist bei uns feste Tradition.
Ins Haus kommt er erst an Heiligabend, also später als bei den meisten. Und er ist immer echt. Ein Baum muss nach Tanne riechen, eine künstliche kommt mir nicht ins Haus. Raus kommt er am 6. Januar, wenn ich abschmücke.
Streit um einzelne Stücke gibt es bei uns nicht. Die Kinder lieben Weihnachten genauso wie ich. Diskussionen gäbe es höchstens, wenn ich etwas nicht hinstellen würde. Dann würde etwas fehlen.
Was in die Kiste kommt
Unter der Kellertreppe stehen große Aufbewahrungskisten. Sie sind voll, und obendrauf liegt, was nicht mehr hineinpasst. Ich packe sie selbst. Stephan weiß, wo sie stehen. Was wohin gehört, weiß er nicht.
In die Kisten kommt alles, was wirklich zu Weihnachten gehört. Die kleinen Weihnachtsmänner. Die Wichtel. Alles, was rot ist und die typischen Weihnachtsfarben trägt.
Leer waren die Kisten vorher übrigens nicht. In der Weihnachtszeit steht bei uns nur Weihnachtsdeko, alles andere räume ich im Advent ab. Die Deko für den Rest des Jahres liegt so lange in den Weihnachtskisten. Im Januar wird getauscht.
Beim Einpacken ist noch nie etwas kaputtgegangen. Es gibt nur einen Weihnachtsmann aus Holz, etwa kniehoch, dessen Beine gesteckt sind. Die Verbindung hält schon lange nicht mehr. Wer ihn hochnimmt, hat den Weihnachtsmann in der Hand, und ein Bein bleibt stehen. Man steckt es zurück. Aufgestellt wird er trotzdem jedes Jahr.
Und der Wichtel?
Er ist dann längst fort. Bei uns bleibt er noch zur Bescherung und fährt in der Nacht mit dem Weihnachtsmann nach Hause. Am 25. Dezember ist er nicht mehr da.
Er hinterlässt immer einen letzten Brief und eine Kleinigkeit für die Kinder. Im Brief bedankt er sich für die schöne Zeit. Er schreibt, dass er bei der Bescherung wieder gern zugesehen hat, und hofft, dass er im nächsten Jahr wiederkommen darf. Die Tür kommt in die Wichtelkiste. Wie er Anfang Dezember bei uns einzieht, erzähle ich im Beitrag über den Wichtelzauber.
Von der Kalenderkerze bleibt nichts, was ich wegräumen müsste. Unter der 24 ist noch ein Stück ohne Zahl. Das lassen wir weiterbrennen, bis sie von selbst ausgeht.
Welche Deko passt im Januar?
Bei uns bleibt, was Licht macht. Hier oben im Norden ist es im Januar lange dunkel, in Skandinavien erst recht. Deshalb bleiben die Kerzen. Die Lichthäuser bleiben. Tannengrün darf bleiben, nur der Baum nicht: die kleinen Deko-Tannen, die Zweige, die Tannengirlanden.
Draußen hängt der Herrnhuter Stern oft noch, die Girlande am Haus auch. Manches hängt bei uns bis Ostern.
Drinnen stehen die Kerzenhalter und Laternen wieder dort, wo sie das ganze Jahr stehen. Und was wir jeden Tag benutzen, war ohnehin nie Deko. Morgens greift bei uns jeder nach seiner Tasse aus Steingut, im Dezember wie im Februar.
Die drei Fragen
Wenn ich ein Stück in der Hand habe, sortiere ich nach drei Fragen.
Gehört es wirklich zu Weihnachten? Weihnachtsmann, Wichtel, alles in Rot. Das kommt in die Kiste.
Macht es Licht? Dann bleibt es, solange es draußen dunkel ist.
Freue ich mich, wenn ich es ansehe? Das ist die wichtigste Frage, und ich kann sie schlecht erklären. Ich möchte ein gutes Gefühl haben, wenn mein Blick darauf fällt. Ich möchte mich freuen, dass es da ist. Und es muss zu uns passen. Dann ist es genau richtig, egal in welchem Monat.
Wenn die Kisten zu sind
Ehrlich gesagt: Danach ist es erst einmal irre leer. Ganz komisch leer im Haus. Das geht mir jedes Jahr so.
Deshalb bin ich froh über alles, was bleiben darf. Das Licht im Fenster, die Kerzen auf dem Tisch, der Stern draußen. Der Rest darf bleiben, bis der Frühling kommt.
Die Kisten stehen wieder unter der Kellertreppe. Stephan wartet auf den Sommer. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich sie wieder hole.
Kurz beantwortet
Wie lange kann man die Weihnachtsdeko stehen lassen? Üblich ist bis Dreikönig am 6. Januar oder bis Lichtmess am 2. Februar. Bei uns wird am 6. Januar abgeschmückt.
Wann endet die Weihnachtszeit? In der evangelischen Kirche mit Epiphanias am 6. Januar, in der katholischen mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag danach. Früher galt Lichtmess am 2. Februar als Ende.
Welche Deko passt im Januar? Alles, was Licht macht und nicht nach Weihnachten aussieht: Kerzen, Kerzenhalter, Lichthäuser, Laternen, Tannengrün und Sterne im Fenster.
Was darf nach Weihnachten stehen bleiben? Alles, was nicht eindeutig zu Weihnachten gehört. Weihnachtsmänner, Wichtel und alles in Rot kommen bei uns in die Kiste, der Rest bleibt.
Wie bewahrt man Weihnachtsdeko am besten auf? Bei uns in großen Aufbewahrungskisten unter der Kellertreppe. Was nicht hineinpasst, liegt obendrauf.
Wann zieht der Wichtel aus? Bei uns an Heiligabend nach der Bescherung, mit einem Abschiedsbrief. Andere Familien lassen ihn bis Januar bleiben.