Morgen früh kommt der Nikolaus. Und mit ihm zieht bei uns der Wichtel ein.
Wenn du auch überlegst, dieses Jahr mit dem Wichtelzauber anzufangen: Hier erzähle ich dir, wie es bei uns läuft. Seit unsere Große zwei war, mit inzwischen vier Kindern und ein paar Pannen. Die Wichteltüren und das Zubehör findest du in der Wichtelwelt. In diesem Beitrag geht es um alles drumherum.
Wann kommt der Wichtel?
Bei uns am 6. Dezember, morgens. Der Nikolaus bringt ihn sozusagen mit. Die Kalenderkerze brennt dann schon fünf Abschnitte weit, der Dezember hat seinen Rhythmus, und in diesen Rhythmus zieht noch jemand ein.
Verbindlich ist das nicht. Viele stellen die Tür am 1. Dezember auf oder zum ersten Advent. Ich mag den Nikolaustag, weil der Morgen ohnehin besonders ist: die Stiefel vor der Tür, und irgendwo im Haus eine kleine Tür, die gestern noch nicht da war. Zwei Überraschungen an einem Morgen. Das trägt.
Der 5. Dezember ist dafür mein Abend. Wichtelkiste holen und erst mal sortieren, denn im Januar habe ich alles nur hineingeworfen. Einen Platz suchen. Die Tür anbringen, zwei, drei Sachen dazu, nicht mehr. Und dann der erste Brief.
Wo er einzieht
Jedes Jahr woanders. Mal im Regal, mal auf der Fensterbank, einmal im Schrank auf einem Regalboden, einmal im Treppenaufgang auf dem Absatz. Die Kinder wissen am 6. morgens, dass er da ist. Aber nicht, wo. Das Suchen gehört dazu, und es ist jedes Jahr der Moment, in dem ich mit dem Kaffee in der Tür stehe und zusehe.
Der Platz muss nicht viel können. Eine Wand oder Rückwand für die Tür, ein bisschen Fläche davor für Spuren. Stiefelabdrücke, etwas Sand oder Kunstschnee, je nachdem, was gerade passt. Es soll aussehen, als sei jemand angekommen, nicht als hätte jemand dekoriert.
Der erste Brief
Bei uns zieht immer derselbe Wichtel ein. Unser Wichtel heißt Nisse. Die Kinder freuen sich auf die Zeit mit Nisse, deshalb könnten wir ihn auch gar nicht austauschen. Das würden sie sofort merken. Dass nisse auf Dänisch schlicht „Wichtel“ bedeutet, haben wir erst später gelernt. Für uns ist es sein Name. Sein erster Brief fängt jedes Jahr ähnlich an: dass er sich freut, wieder da zu sein. Dass er die Weihnachtszeit bei uns verbringen darf. Und dass die Kinder schon wieder gewachsen sind.
Das ist der Brief, den ich am 5. Dezember am längsten überlege. Alle anderen schreiben sich dann fast von selbst.
Die Abmachung: Der Wichtel will versorgt werden
Bei uns gibt es eine Regel, und die gilt vom ersten Tag an: Die Kinder kümmern sich um den Wichtel. Jeden Abend bekommt er etwas. Ein Stück Schokolade, eine Nuss, oder wenn wir Plätzchen gebacken haben, eines davon. Wie wir die Plätzchen aufbewahren, steht in einem eigenen Beitrag.
Bekommt er nichts, treibt er Schabernack. Und das tut er gründlich. Er hat schon Schnürsenkel zusammengebunden. Im Nutella-Glas gespielt und die Spuren auf dem Tisch gelassen. Toilettenpapier durchs halbe Haus gewickelt. Muster in die Servietten geschnitten. Einmal hat er die Adventskerzen gegen Karotten getauscht.
Das ist, nebenbei, ziemlich nah an der Herkunft des Brauchs. In Dänemark stellt man dem Nisse eine Schale Milchreis hin. Wer das vergisst, bekommt Ärger. Dazu gleich mehr.
Was der Wichtel nachts macht
Ob man sich am Anfang überlegen sollte, was der Wichtel die ganzen Wochen über anstellt? Ich mache das nicht. Ich entscheide abends, und zwar danach, was an dem Tag bei uns los war oder was morgen ansteht. Wenn jemand Zahnschmerzen hatte, weiß der Wichtel das. Wenn am Dienstag eine Arbeit geschrieben wird, auch. So wirkt es, als bekäme er unseren Alltag mit. Und genau das ist der Punkt, an dem aus einer kleinen Tür jemand wird.
Man kann natürlich alles vorbereiten: achtzehn Ideen auf einer Liste, jeden Abend eine. Das geht, und an manchen Abenden wünsche ich mir das. Aber bei den Briefen, in denen der Wichtel weiß, was heute war, sind die Kinder jedes Mal aufs Neue erstaunt, woher er das alles weiß. Und dann leuchten die Augen.
Die Briefe
Die Briefe sind aufwendig, das gebe ich zu. Wer es einmal versucht hat, weiß es. Anfangs habe ich meine Schrift verstellt, damit niemand sie erkennt. Irgendwann hat unser Wichtel eine Schreibmaschine bekommen, eine winzige, sie steht bei ihm vor der Tür. Seitdem schreibt er mit Schreibmaschine, und ich muss mir keine Mühe mehr geben, dass die Handschrift nicht auffliegt.
Was ich empfehlen würde: das Briefpapier vorher fertig machen. Kleine Bögen ausdrucken, zuschneiden, in die Kiste. Dann geht es abends nur noch um den Text. Der bleibt Arbeit, aber er ist auch der Teil, der am meisten zurückkommt.
Was schon schiefgegangen ist
Einiges. Das Naschi, das die Kinder abends für Nisse hingelegt hatten, lag am nächsten Morgen in Papierfetzen auf dem Boden. Wir hatten damals einen Hund. Er ist schneller gewesen und hat das Naschi komplett verdrückt. Ich habe es komplett vergessen, weil ich abends auf dem Sofa eingeschlafen bin, und musste mir morgens in der Küche in fünf Minuten etwas aus dem Ärmel schütteln. Das gehört dazu. Ein Wichtel ist eine Verpflichtung über achtzehn Abende, und die passt nicht immer in den Familienalltag. Es hat trotzdem funktioniert. Kinder sind da gnädiger, als man denkt, solange Nisse überhaupt da war.
Woher der Wichtel eigentlich kommt
Der Brauch ist jünger, als er wirkt. Die Figur dahinter aber deutlich älter.
Der dänische nisse – so heißen dort alle Wichtel, nicht nur unserer – war ursprünglich kein Weihnachtswesen, sondern ein Hofgeist: der gårdnisse. Etwa so groß wie ein Kind von acht oder zehn Jahren, erstaunlich stark, zuständig für die Pferde und die Ernte. Man musste ihn gut behandeln. Wer ihn vergaß, bekam Ärger, von Zwicken bis zu einer Nacht auf dem Dach. Und er stahl bei den Nachbarn, wenn es dem eigenen Hof nützte.
Freundlich wurde er erst im 19. Jahrhundert. 1836 feierte der dänische Maler Constantin Hansen in Rom Weihnachten und schnitt Nisser aus Papier, soweit man weiß das erste Mal, dass diese Wesen in einer gemütlichen Szene auftauchen. 1842 zeichnete J. Th. Lundbye einen Nisse als Holzschnitt, und dieses Bild hat geprägt, wie er bis heute aussieht. Das Bürgertum nahm ihn mit an den Weihnachtsbaum, er bekam eine Frau und später Kinder, und aus dem Hofgeist wurde der julenisse.
Geblieben ist der Milchreis. In Dänemark stellt man dem Nisse eine Schale hin, gern mit einem Klecks Butter obendrauf. Ist sie morgens leer, ist alles in Ordnung. Bei uns ist es Schokolade für Nisse. Die Idee ist dieselbe.
Die nissedør, die Wichteltür, ist die moderne Fortsetzung davon. In Dänemark verbreitet, seit einigen Jahren auch bei uns. Sie wird oft mit dem amerikanischen „Elf on the Shelf“ in einen Topf geworfen, den es seit 2005 gibt. Das ist etwas anderes. Der Elf beobachtet und meldet nach oben. Der Nisse wohnt einfach da. Mir gefällt der Unterschied. Bei uns führt niemand Buch.
Wann zieht er wieder aus?
An Heiligabend fährt er nach Hause. Am 25. ist nichts mehr von ihm zu sehen, nur ein letzter Brief, in dem er sich verabschiedet und sich bedankt, dass er da sein durfte. Für uns gehört der Wichtel in die Adventszeit, nicht in die Weihnachtstage. Andere lassen ihn bis Januar bleiben. Auch gut.
Die Tür kommt in die Wichtelkiste, unsortiert, und wartet auf den nächsten 5. Dezember.
Was mit der übrigen Weihnachtsdeko passiert, steht im Beitrag Was im Januar stehen bleiben darf.
Wie lange glauben Kinder daran?
Unsere Große glaubt nicht mehr dran. Bei der Zweiten bin ich mir nicht sicher. Und trotzdem: Wenn in der Schule jemand sagt, das gebe es doch gar nicht, verteidigen die Großen den Wichtel. Für die Kleinen, und ich glaube, auch ein bisschen für sich.
Ich finde es schwer, wie oft das von außen kaputtgemacht wird. Aber der Zauber ist trotzdem da, auch für die, die es längst wissen. Er gehört fest zu dieser Zeit. Auch für mich. Wenn ich ihn ein Jahr weglassen würde, würde mir etwas fehlen. Ich glaube, es ist nicht der Wichtel. Es ist das, was er mit uns macht in diesen drei Wochen: dass wir jeden Abend noch einmal an alle denken.
Was du dafür brauchst, ist wenig. Eine Tür, etwas zum Danebenstellen, ein bisschen Papier. Das Wichtelzubehör steht bei uns im Shop, Stück für Stück ausgesucht: kleine Leitern, Laternen, Bänke, Kerzenhalter. Alles davon ist Dekoration für Erwachsene, die eine Geschichte bauen; nichts davon ist geprüftes Spielzeug und gehört in kleine Hände.
Der Rest ist ein Abend auf dem Sofa, eine Kiste und ein Morgen, an dem jemand sucht.
Karina
Kurz beantwortet
Wann kommt der Wichtel? Meistens am 1. Dezember oder zum ersten Advent. Bei uns am Nikolausmorgen, dem 6. Dezember. Eine feste Regel gibt es nicht.
Was macht der Wichtel nachts? Bei uns hängt das davon ab, ob er abends etwas bekommen hat. Wenn ja, hinterlässt er Spuren und einen Brief. Wenn nein, treibt er Schabernack: Schnürsenkel, Toilettenpapier, Nutella.
Wie schreibt man einen Wichtelbrief? Klein, und so, dass die Handschrift nicht auffliegt. Unser Wichtel schreibt seit Jahren mit einer winzigen Schreibmaschine. Am besten wirken Briefe, die auf den Tag eingehen.
Wann zieht der Wichtel wieder aus? Bei uns an Heiligabend, mit einem Abschiedsbrief. Manche Familien lassen ihn bis Januar.
Woher kommt die Wichteltür? Aus Dänemark, als nissedør. Dahinter steht der nisse, ursprünglich ein Hofgeist, der erst im 19. Jahrhundert zur Weihnachtsfigur wurde.
Ist das dasselbe wie Elf on the Shelf? Nein. Der amerikanische Elf (seit 2005) beobachtet Kinder und berichtet dem Weihnachtsmann. Der Nisse wohnt einfach im Haus.
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